Das Ziel einer ganzheitlichen energetischen Modernisierung ist es, bei Immobilen, die in die Jahre gekommen sind und bei denen somit Sanierungsmaßnahmen anstehen, nicht nur die Funktion der Bauteile wiederherzustellen und die Optik aufzuwerten, sondern auch einen möglichst minimalen Energieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser zu erreichen.

 

Das Augenmerk liegt also darauf, unter wirtschaftlichen Aspekten eine möglichst hohe und nachhaltige Energieeinsparung zu erzielen. Zur Minimierung des Energieverbrauchs werden unterschiedliche Maßnahmen wie die Erneuerung des Heizsystems, das Austauschen der Fenster oder die Dämmung der Fassade und des Daches durchgeführt. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme und Analyse des Ist-Zustandes durch einen Energieeffizienz-Experten bildet die Grundlage für wirtschaftliche Modernisierungsempfehlungen.

 

Warum sich eine ganzheitliche energetische Modernisierung der eigenen vier Wände lohnt, erklärt Dipl.-Ing. Andreas Bachor, Lehrender vom Fachbereich Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt auf der energetischen Bewertung von bestehenden Wohngebäuden der FH Münster.

 

1. Anlässe für die Durchführung von energetischen Maßnahmen ergeben sich nur alle 25 bis 30 Jahre – Eine Chance, die Gebäudeeigentümer nutzen sollten.

 

Die Auswertung der Gebäudetypologie zeigt, dass etwa drei Viertel des gesamten deutschen Wohnungsbestandes ein Alter von 30 Jahren und mehr aufweist. Die Bauteile, wie das Dach, Außenwände, Außenfenster und Kellerdecke, stammen aus einer Zeit, in der ein effizienter Energieeinsatz noch nicht im Fokus stand. Viele dieser Gebäude wurden zwischenzeitlich nicht oder nur gering modernisiert.

 

Seitdem hat die Entwicklung energiesparender Baustoffe und Bauteile große Fortschritte vollzogen. Durch den Einsatz der aktuellen Baustoffe lassen sich die Energieverluste zum Beispiel durch Maßnahmen an den Außenwänden, dem Dach, den Geschossdecken und den Böden zu unbeheizten Keller oder Dachräumen um mehr als 50 Prozent reduzieren. Bei ganzheitlichen Maßnahmen an allen umschließenden Bauteilen eines Gebäudes kann sogar ein Energieeinsatz von etwa 30 Prozent des Ausgangswertes erzielt werden.

 

Da die Nutzungsdauer vieler Bauteile etwa 30 Jahre und mehr beträgt, stehen bei zahlreichen Gebäuden Sanierungen an. Diese Chance sollte ein Gebäudeeigentümer ergreifen, um sein Haus zukunftsfähig zu gestalten und die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre bei der Wahl seiner Maßnahmen berücksichtigen.

 

2. Gute finanzielle Rahmenbedingungen - Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Einen besseren Zeitpunkt für die Durchführung von energetischen Maßnahmen gab es noch nie. Aufgrund der niedrigen Kreditzinsen und der attraktiven staatlichen Fördermittel ist jetzt der geeignete Zeitpunkt, um in energetische Sanierungsmaßahmen für die eigenen vier Wände zu investieren.

 

Sowohl die staatliche Investitionsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) als auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellen für Modernisierer zahlreiche Fördermittel zur Verfügung. Die monatliche Belastung lassen sich durch das derzeit niedrige Zinsniveau in Grenzen halten. Besonders interessant ist hierbei nicht nur der Jahreszins von derzeit 0,75 Prozent sondern auch der Tilgungszuschuss der KfW, der das Darlehen reduzieren und die Laufzeit verkürzen kann. Je nach Erreichen der Effizienz kann dies bis zu 27,5 Prozent der Kreditsumme ausmachen.

 

3. Dauerhafte und verlässliche Senkung der Energiekosten – Eine lohnende Investition auch als Altersvorsorge

 

Die Reduktion des Energieeinsatzes führt dazu, dass die aktuellen und zukünftigen Energiekosten reduziert werden. Geht man bei einem älteren Einfamilienhaus mit etwa 120 m² Wohnfläche davon aus, dass der jährliche durchschnittliche Endenergieverbrauch 30.000 kWh beträgt. fallen derzeit etwa 1800 bis 2100 € Energiekosten an. Je nach gewählten Maßnahmenpaketen kann dieser Aufwand um bis zu 1200 €/a reduziert werden.

 

Gleichzeitig wird man auch unabhängiger von Energiepreissteigerungen, die in den letzten Jahren spürbar waren und die Budgets privater Haushalte belasten. Experten rechnen mit weiter steigenden Preisen. Aus diesem Grund leistet eine Senkung der Energiekosten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Altersvorsorge, da so ein großer Kostenfaktor minimiert wird.

 

4. Werterhaltung des Gebäudes

 

Durch eine energetische Gebäudemodernisierung wird der Wert einer Immobilie gesteigert. Außerdem ist es seit dem Jahr 2014 Pflicht, den Interessenten den Energieausweis auszuhändigen. Auf lange Sicht entwickelt sich damit ein Gütemerkmal, das bei anderen Gütern wie zum Beispiel den Kühlschränken bereits greift. Sowohl für die Mieter und Käufer als auch für die Eigentümer ist der Energieausweis von Vorteil. Mithilfe der Angaben im Energieausweis wird ein Eindruck von der energetischen Qualität des Gebäudes vermittelt. Durch die immer weiter ansteigenden Öl-, Gas- und Stromkosten legen Mieter und Käufer immer mehr Wert auf die Wärmedämmung und moderne Anlagentechnik. Energieeffiziente Wohngebäude stehen somit klar im Vorteil. Zudem werden Niedrigstenergiehäuser in einigen Jahren Standard sein. Diese hoch energieeffizienten Immobilien werden dann mit den Bestandsgebäuden auf dem hart umkämpften Immobilienmarkt im Wettbewerb stehen.

 

5. Den eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten

 

Öffentliche und private Gebäude in Deutschland benötigen für Warmwasser, Heizung und Beleuchtung fast mehr als ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs der Bundesrepublik. Der Energieverbrauch ist bislang so hoch, weil eine Vielzahl der Gebäude noch vor der ersten Wärmeschutzverordnung aus dem Jahr 1977 erbaut wurde. Das benötigte Energieaufkommen dieser Gebäude führt zu einem hohen CO2-Ausstoß. Das Potential für Einsparungen ist also immens. Jeder Hausbesitzer, der energetisch saniert, reduziert den CO2-Ausstoß und leistet somit einen aktiven und wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

 

Fachmännische Beratung zur energetischen Modernisierung

 

Bei anstehenden Maßnahmen ist es wichtig, vorab eine umfassende und gute Beratung zu erfahren, um staatliche Fördermittel in Anspruch zu nehmen und die eigenen Mittel richtig zu investieren. Darüber hinaus sichert ein Experte die hohe Qualität in der Planung und überwacht die Ausführung aller Maßnahmen. Fehler und Bauschäden werden somit vermieden.

 

bb